Nach Erik E. Erikson

Der Psychologe Erik H. Erikson erweiterte die psychoanalytische Theorie durch die Einteilung in acht psychosoziale Phasen. Die psychosoziale Entwicklung folgt für Erikson dem epigenetischen Prinzip: nach angeborenen Gesetzmäßigkeiten, die ihm nacheinander immer neue Möglichkeiten der Interaktion mit der Umwelt bescheren und entsprechenden Bezugspersonen begegnen. Es gibt eine Verzahnung der Lebenszyklen: das Bedürfnis des Erwachsenen für Kinder zu sorgen, fällt mit dem Bedürfnis des Kindes nach elterlicher Fürsorge zusammen. Die Kultur, in der das Kind lebt, fördert das Verhalten auf jeder Altersstufe, dafür passt sich das Kind der jeweiligen Kultur an.

 

Erikson beschreibt die Entwicklung der menschlichen Identität im Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen als Individuum und den sich im Laufe der Entwicklung permanent verändernden Anforderungen der sozialen Umwelt. Seine Entwicklungstheorie beruht hauptsächlich auf Beziehungserfahrungen. Innerhalb der Entwicklungsstufen durchläuft der Mensch phasenspezifische Entwicklungsaufgaben und Konflikte, welche durch die Konfrontation mit gegensätzlichen Anforderungen ausgelöst werden. Für die erfolgreiche Bewältigung einer Entwicklungsstufe ist die Erfahrung der vorherigen wegweisend. Angesammelte Erfahrungen werden verwendet, um neue nie ganz erlöste Identitätskrisen auf andere Weise zu verarbeiten. Jede der von ihm beschriebenen acht Lebensphasen enthält ein eigenes Krisenszenario.

 

Je nachdem wie wir die Krise bestehen, können wir uns positiv oder negativ weiterentwickeln. Eine Identität entwickeln bedeutet für Erikson, das man das eigene Selbst und die Gesellschaft, in der man lebt, erkennt und selbstbestimmt interpretiert. In jeder der acht Phasen wird die Frage der Identität anders beantwortet d.h. das Gefühl der eigenen Identität wandelt sich während des ganzen Lebens. Lücken, die in einer Phase nicht geschlossen werden konnten, kommen in den weiteren wieder zur Bearbeitung. Wenn man etwa als Kleinkind nicht das Grundvertrauen entwickelt hat, so kann dies in späteren Phasen nachgeholt werden – natürlich immer nur mit der entsprechenden Förderung und Abrufung der Ressourcen durch die Mitwelt. Die Astrologie hilft, die jeweiligen Herausforderungen einer Phase zu beschreiben und zu einer Selbstbeschreibung zu bringen, mit der man weiterarbeiten kann. 

 

Haus

Lebensphase

Planet

Zeitverhältnis

Psychische Funktion

Dichotomien von

Erikson

Stichworte von Erikson

 

IV

Säugling

Sonne, Mond

0-2/3

Keine Eigen-Zeit

1 Grundvertrauen  versus Misstrauen

 Mütterliche Person

Hoffnung

Rückzug

 

III

Kleinkind

Merkur

 2/3-5

Synchronzeit

Mentalisierung

Spiegeln

2 Autonomie versus Scham und Zweifel

Idolismus

Elternpersonen

Wille

Zwang

 

II

Spielzeit

Venus

5-8

Bedarfszeit

Bedürfnisverschiebung

Wünschen

3 Initiative versus Schuldgefühl

Legalismus

Kernfamilie

Bedarf

Hemmung

 

I

Latenz

Mars

8-13

Momentum

Antriebsüberschuss

Wollen

4 Kompetenz versus Minderwertigkeits-gefühle

Moralismus

Nachbarschaft, Schule

Kompetenz

Trägheit

 

XII

Adoleszenz

Neptun

13-21

 Dauer

 Rückbindung

Symbiose

5 Identitätsfindung versus Rollendiffusion

Formalismus

Peer-Groups und fremde Gruppen

Treue

Zurückweisung

 

XI

Twens

Uranus

21-34

 Wandlung

 Individuation

 Differenzieren

6 Intimität versus Isolation

Totalismus

Partner, Sexualität, Wettbewerb, Zusammenarbeit

Liebe

Exklusivität

 

X

Reifung

Saturn

34-37

Regulierung

Normen-Habitus

Planen

Keine zusätzliche Unterscheidung

 

-

 

IX

Suche

Jupiter

37-42

 Zeitgeist

 Werte-Habitus

Überzeugen

Keine zusätzliche Unterscheidung

 

-

 

VIII

Lebensmitte

Pluto

42-50

 Wiederkehr

 Hintergrunderfüllung

Verwandeln

7 Schaffenskraft versus Stagnation

Elitismus

Arbeitsteilung und gemeinsamer Haushalt

Fürsorge

Abweisung

 

VII

Verwirklichung

Lilith

50-63

Status Quo

Ausdrucksfunktion

Expressieren

8 Ich-Integrität versus Verzweiflung

Autoritismus

‘Die Menschheit’, Menschen meiner Art’

Weisheit

Hochmut

 

VI

Third Age

Chiron

63-84

Kausalzeit

Objektivierung

Rationalisieren

 

-

 

-

 

V

Greis

Sonne, Mond

84 -118[1]

Keine Eigenzeit

 

-

 

-

Mit 3-5 Jahren regiert der Planet Merkur (Zwilling) und Erlernung eines sozialkognitiven Verhaltens nun auch im verbalen Austausch mit anderen Kindern. Wir lernen, dass Handlungsentscheidungen von Absichten und Überzeugungen der handelnden Person abhängen und unsere eigenen Gefühle und Gedanken entsprechend auszudrücken. Es folgen die beiden Planeten, die unsere Geschlechtlichkeit prägen, Venus von 5-8 Jahren für unser weibliches Empfinden für Genüsse und Sinne und Mars von 8-13 Jahren für die männlich orientierte Impulsivität und Handlungsbereitschaft. In diesen Abschnitten braucht es der Unterstützung der besonderen Bedürfnisse des Kindes, die sich von den Eltern unterscheiden. Dieses gelingt umso besser, als in der Phase zuvor die kognitiven Fähigkeiten ausgebildet wurden und das Kind sich in Dritte hineinversetzen kann (Mentalisierung, Merkur). Man lernt von 5-8, wo man seine Bedürfnisse am besten erfüllt bekommt (Venus) und erwirbt damit die Voraussetzung, in der Phase von 8 – 13 Jahren langfristige Ziele ausdauernd zu verfolgen und gegen den Widerstand anderer durchzusetzen (Mars).

 

Die Pubertät wird von dem Planet Neptun (klassisch Jupiter in Fischen) bestimmt. In diesen Jahren von 13 – 21 finden wir in eine bewusste Einheit hinein, die uns aber mit verwirrenden Widersprüchen konfrontiert. Die Anbindung an kulturelle Wurzeln und die Unterstützung von Großeltern oder Mentoren ist von großem Wert. Diese Phase ist mit vielen Wirrungen und Abweichungen verbunden, die bei entsprechender Unterstützung zu Selbstvertrauen führen. Selbstvertrauen, dass in der darauf folgenden Phase gebraucht wird, denn es folgt mit 21-34 Jahren der längste Abschnitt der Individualisierung. Er wird von Uranus beherrscht (klassisch Saturn im Wassermann). Überraschende Wenden sind in dieser Zeit nicht ungewöhnlich; wieder und wieder werden unsere Motive geprüft und wir an die Grenzen unseres Leistungsvermögens gebracht.

 

Schließlich erleben wir Mitte Dreißig eine Art ‘zweite Geburt’ (die Zahlen sind natürlich nicht statisch absolut zu verstehen, sondern als ungefähre Abläufe, die in sich verschachtelt und zum Teil phasenverschoben auftreten). Saturn lässt uns zwischen 34 und 37 Jahren eine eigene Ordnung und Taktung finden. Dies erscheint relativ spät, wenn man bedenkt, dass der Mensch mit 18, bzw. 21 Jahren als mündig gilt. Doch hat er bis dahin keine langfristigen Erfahrungen in der Bewältigung von Krisen und ist noch gewohnt, eher experimentell an Schwierigkeiten heranzugehen. In der Phase von 21 – 34 liegt astrologisch gesehen die Rückkehr des progressiven Mondes und des transitierenden Saturns, so wie die Chironopposition und das zweite Mondknotenquadrat; Konstellationen, die mit Umbrüchen im Leben verbunden sind und manchmal dazu zwingen, den bisherigen Lebensentwurf aufzugeben und sich neu auszurichten.

Erst nach Dreißig beginnt eine konstantere Ausrichtung auf ein Lebensziel. In der Symbolik der Doppelspirale durchlaufen die oberen Planeten des Tierkreises ab Saturn nochmal die Phasenabstände der unteren. Saturn besitzt dann eine dreijährige Phase mit Venus, Jupiter eine fünfjährige mit Mars, Pluto eine achtjährige mit Neptun und Lilith eine dreizehnjährige mit Uranus.

 

Es folgt von 37-42 Jahren Jupiter und die Festigung unserer Wertvorstellungen und unserer Weltanschauungen, die uns mehr und mehr beschäftigen. Wir lernen, unsere Überzeugungen nun nachhaltig zu vertreten und in Einklang mit der sozialen Wirklichkeit zu bringen. Es gibt weniger Reibungsverluste und wir sind so beschäftigt mit unseren eigenen Interessen, dass wir diese Zeit im Nachhinein möglicherweise als nichts Besonderes empfinden. Je mehr Flexibilität und Offenheit wir uns in dieser Phase erworben haben, desto besser können wir die Untiefen der nächsten Phase durchlaufen und Scheuklappen ablegen. Der nachfolgende Abschnitt (42-50) stellt mit Pluto eine Prüfung dar, die Midlifecrisis, die Umstellung der Hormone und die Anforderungen in Job und Familie streben einem natürlichen Höhepunkt zu, an dem sich zeigt, ob sich unser Lebensentwurf bewährt oder nicht. Korrekturen sind weiterhin möglich; durch ‘Schattenarbeit’, Therapie und psychologische Weiterbildung.

 

Mit Lilith in Haus 7 nähern wir uns der Verwirklichung der zentralen Rolle im Leben (50-63). Wir sind am Deszendenten des Tierkreises angelangt, am DU, und haben verinnerlicht, dass die Festigung unseres Selbstbildes ohne den Spiegel eines Anderen unmöglich ist. Wir arbeiten an Rollenbildern, feilen an unserem Ideal, und emanzipieren uns im Idealfall von den letzten Abhängigkeiten, Fremdbestimmtheit und Süchten. Von 63 bis 84 Jahren dürfen wir dann ernten, was wir gesät haben. Der Verstand ist weiterhin zu Höchstleistungen fähig, die altersmilde Lebenserfahrung hilft, sich selbst zurückzunehmen. Der letzte Abschnitt von 84 bis 118 Jahren bildet die Zugabe an ein erfülltes Leben. Immer noch bleibt der Mensch lernfähig und wandlungsbereit. Nur wenige erreichen dieses ‘biblische Alter’ bei vollem Bewusstsein, doch dann entwickeln sie sich immer noch weiter. Selbst Helmut Schmidt gab schließlich mit 96 Jahren das Rauchen auf.

 


 

[1] Verbrieftes Alter des ältesten Menschen: Jeanne Calment, 122 Jahre (Frankreich), zweitälteste: Sarah Knauss 119, (USA), drittälteste: Misao Okawa 117 (Japan), der älteste deutsche Mann ist erst auf Platz 38