Nach Zimbardo/Boyd

 

Die in meinem Buch ‘Zeitvorstellungen und Identität’ ausführlich besprochenen Zeitkontraste können mit dem Modell von Zimbardo/Boyd zusammengebracht werden. Sie veröffentlichten 1997 einen Test über ‘Zeittypen’ (ZTPI, Zimbardos Fragebogen zur Zeitperspektive), der in vielen Ländern validiert worden ist.[1]

 

Er reflektiert Einstellungen und Wertvorstellungen über die Zeit, wobei er sechs Typen unterscheidet, je zwei für Vergangenheitsbezogenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie können mit den astrologischen Unterscheidungen der ersten drei Ebenen der Parallelzeichenregenten gut in Übereinstimmung gebracht werden.            

 

Wir erkennen, dass Saturn und Uranus von Zeitebene 1 der Parallezeichenregenten (Steinbock, Wassermann) dem Typus B der positiven Vergangenheit und Typus E der negativen Zukunft repräsentieren, während Jupiter und Neptun zwei entgegengesetzten Zeittypen darstellen. Mars und Pluto im Inneren symbolisieren schließlich die beiden Gegenwartsformen, die bei Zimbardo als hedonistische oder fatalistische Einstellungen beschrieben werden. Dies entspricht der herkömmlichen Deutung des Mars in Widder und des Pluto in Skorpion. So verdichten sich die Handlungsebenen mit der Annäherung an die Gegenwart. Es wäre interessant, diesen Test auf Horoskope und daraufhin zu überprüfen, ob sich  Muster zwischen den Kategorien A und F, bzw. B und E und C und D wiederfinden.[2]

 

Typus A (Saturn) hängt für Zimbardo an der Vergangenheit fest und tut sich schwer mit Erneuerungen. Er hat Angst, dass sich die ihm bekannte Welt verändert und hält deshalb auch dann noch an Strukturen fest, wenn diese offensichtlich nicht mehr funktionieren. Astrologen erkennen hier unschwer den Planeten Saturn und die Haltung manch Zeitgenossen, der auf sich der Moderne verweigert. Wer sich zu ausgiebig mit negativen Ereignissen in der Vergangenheit beschäftigt, der kann im Leben ängstlicher sein und eher zu Depressionen neigen. Trotz wiederholter Abspulung vergangener Ereignisse gibt es Gedächtnislücken. Saturniker neigen dazu, sich die Vergangenheit schön zu reden. Traumatische Ereignisse sollen verdrängt werden und nicht den Arbeitsalltag belasten. Manchmal gibt es Schwierigkeiten, sich offen auf Auseinandersetzungen einzulassen. Saturn, der in der Astrologie für die Rückverbindung und die Bewahrung der Traditionen steht, schult aber auch den Ordnungssinn und entwickelt Stärke in der Erledigung von Routineangelegenheiten.

 

Typus B (Jupiter) ist auch der Vergangenheit verhaftet, doch er sieht sie positiv. Wer um seine Wurzeln weiß und weiß, wie er zu dem geworden ist, was er ist, hat ein besseres Gefühl für sich selbst und kann sich leichter hingeben. Engagement für die Gesellschaft hilft, sich mit seiner Familie oder einer größeren Kultur verbunden zu fühlen. Schöne Erinnerungen geben Kraft für den weiteren Weg. Menschen mit einer positiven Vergangenheits-Perspektive sind nach Zimbardo in der Lage, ihren Leben gedanklich als Filme vorzustellen, aus dem sie erstaunliche Einzelheiten abrufen können. Dies entspricht der astrologischen Erfahrung, die Jupiter mit einem guten Gedächtnis verbindet. So lebt die Vergangenheit auch über die Gegenwart hinaus immer weiter wie eine ‚zweite Zeitleiste‘, in der die Weiterführung der ‚guten alten Welt‘ möglich ist. Negativ kann es aber auch in einer pseudoliberalen Grundhaltung enden, die das Mittel zum Zweck nutzt, um sich selbst zu bereichern. Die ‚Verlierer’ sind dann ‚selbst Schuld‘ an ihrem Unwillen, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.

 

Typus C (Pluto) zeichnen sich für Zimbardo und Boyd durch seine fatalistische Ergebenheit an die Gegenwart aus. Das weist auf die Merkmale hin, die wir in der Astrologie mit dem Planet Pluto ich Verbindung bringen. Die Autoren zitieren als Beispiel Fred: […“Das Schicksal bestimmt vieles in meinem Leben“ und „Da sowieso alles kommt, wie es kommt, ist es egal, was ich tue…][3]. Der Fatalist nimmt die Dinge, wie sie sind und versucht sie, nicht zu ändern. Genau mit dieser Strategie nimmt er trotzdem Einfluss auf sein zukünftiges Erleben – er schützt sich indirekt vor den negativen Folgen seines manchmal widersprüchlichen Handelns. Damit hält er sich Optionen offen und akzeptiert leichter die Widersprüchlichkeit anderer Personen.

 

Typus D (Mars) ist das aktivistische Gegenstück, das den Augenblick der Gegenwart durch Steigerung der Intensität auszudehnen sucht. Diese Typen probieren vieles aus, verlieben sich Hals über Kopf und sind ebenso schnell wieder weitergezogen. Der Nervenkitzel liegt nicht in der Erfüllung, sondern in der Suche nach immer neuen Zielen. Die Zukunft wird damit sofort in die Gegenwart gezogen, es wird nicht lange über Strategien nachgedacht, was die Menschen ehrlich erscheinen lässt. Sie können sich jedoch leicht selbst ein Bein stellen, weil sie ständig abgelenkt sind und durch ihre Triebe übermannt. Die absolute Zielorientierung lässt sie manchmal deshalb auch kalt und berechenbar erscheinen und sie selbst damit zu einer Herausforderung für Menschen werden, die selbst schwach in der Verfolgung von Zielen sind. Je besser sie Selbst- und Fremdmanagement unter einen Hut bringen, desto mehr Erfolg werden sie haben.

 

Typus E (Uranus) hat eine positive Grundeinstellung gegenüber der Zukunft. Er entwickelt nach Zimbardo und Boyd Visionen und will andere Menschen mitziehen. Dies ist ein untrüglicher Hinweis auf den Planeten Uranus. Ausgerichtet auf eine Zukunft, in der für alle Menschen das Beste existiert, nimmt dieser Typus instinktiv die kommenden Entwicklungen wahr und passt sich diesen frühzeitig an. Dadurch kann er natürlich auch Scheitern, wenn seine Visionen sich nicht erfüllen. Dann ist er so mit seiner Mission beschäftigt, dass er die Realität aus den Augen verliert. Doch hilft ihm diese Mission, auf der sich zu befinden wähnt, bei der Sache zu bleiben und nicht an sich selbst zu zweifeln. Oft kommt er aus einem Elternhaus, wo es Usus war, sich emporzuarbeiten und negative Begleiterscheinungen zu verdrängen. So ist es in seinem Blut, eine bessere Zukunft zu schaffen, und auszublenden, was ihn auf dem Weg dahin hindern könnte.

 

Neptun Typus F (Uranus) wird von den Fragebögen von Zimbardo nicht eigens erfasst. Er spricht aber von einer ‚transzendentalen Zukunft‘.  Wenn es einen Typus für positive Zukunft gibt (Typus E), dann muss es auch einen für die negative Zukunft geben. Dieser würde auch dem übriggebliebenen Planeten Neptun und seiner Warnung vor einem ‚Weiter so‘ entsprechen. Der Neptuniker zweifelt an der Fähigkeit des Menschen, sich über weltliche Dinge zu definieren. Nur über das Streben nach Transzendenz kann Erlösung erfolgen und die Strafen für die Verfehlungen der Vergangenheit gesühnt werden. Diese ‚Aussteiger‘ werden vielleicht auch von dem Test nicht erfasst, weil sie solche Fragebogen ungern ausfüllen oder für sinnlos halten. Lieber reagiert er individuell auf die ihm gestellten Probleme und beantwortet Fragen dementsprechend nur situativ.  Seiner Ablehnung von falschen Zukunftsversprechen treu zu bleiben, ist das Motto dieses Typs, obwohl oder gerade weil er ständige Wechsel seines Lebens vollzieht. Dadurch, dass er für andere einen hohen Wiedererkennungswert hat, werden ihm Abweichungen von Mainstream gestattet und so kann er immer wieder an das ‚bürgerliche Leben‘ anknüpfen, das die meisten von uns führen.



[1] Philip Zimbardo, John Boyd, Die neue Psychologie der Zeit, 2011, S. 60

[2] Ein Mensch mit überwiegend negativen Erinnerungen an die Vergangenheit (A, Saturn) wird wahrscheinlich mehr Erfahrungen mit plötzlichen Erneuerungen (H, Uranus) machen, als andere. Positive Vergangenheit (B, Neptun) und optimistische Zukunft (E, Jupiter) gehen ebenfalls gut zusammen, wie das Versinken in abwechselnd hedonistischen (D, Mars)  und fatalistischen (C, Pluto) Gegenwartsauffassungen.

[3] Ebenda S. 75